Warum Kinder funktionieren müssen oder warum ich Katzen lieber habe als Hunde

Warum Kinder funktionieren müssen

Zwei Anekdoten aus unserem Familenleben

Anekdote 1 – der Besuch beim Kinderarzt

Vor kurzem war ich mit meinem 5-jährigen Sohn bei seiner alljährlichen Untersuchung beim Kinderarzt. Es war die große Zweiteilige. Seine motorischen und kognitiven Kenntnisse wurden abgefragt. Und im zweiten Termin fand dann die körperliche Untersuchung statt. Wie es so ist, habe ich ihn vorher darauf vorbereitet. Der erste Termin lief reibungslos. Yay! Die Arzthelferin zog es mehr oder weniger gut gelaunt durch. War wohl nicht ihre erste Untersuchung;)

Der Termin beim Arzt dann einen Tag später fing ganz nett mit ein paar bunten Bildchen und Ballspielen an. Das ging auch noch gut und Maxim machte mit. Dann war die körperliche Untersuchung angesagt und es ging nichts mehr. Totale Sturheit. Er wollte sich weder selbst ausziehen, noch ausziehen lassen. Zuerst habe ich natürlich versucht ihm zu erklären, wie wichtig die Untersuchung ist, dann versuchte der Arzt sein Glück. Vergeblich. Es ging sogar soweit, dass der Arzt etwas …ich würde sagen… sauer wurde, weil Maxim da nicht mitmachte. Am Anfang war auch ich etwas sauer. Ich hab‘s aber auch kommen sehen.

Bis mir der Gedanke kam: warum? Warum sollte Maxim sich vor einer ihm fremden Person ausziehen? Ja, es ist unser Kinderarzt. Maxim hat ihn ein paar mal in seinem Leben gesehen. Nein, es ist niemand, den wir regelmäßig sehen und der Maxim vertraut ist, sodass er sich freiwillig vor ihm auszieht. Denn das macht er nur vor der Mama.

Anekdote 2 – die Schuleignungsprüfung

Da wir kurz die Überlegung hatten, Maxim vorzeitig einschulen zu lassen, stand bei uns die Schuleignungsprüfung an. Der Junge rechnet schon Plus und Minus, zählt bis ins Unendliche, kennt einige Buchstaben und schreibt seinen Namen. Im Vergleich zu anderen ist das schon viel was er da für sein Alter kann. Da er Ende Oktober Geburtstag hat, ist er auch gar nicht so weit von den „darf“ und „kann“ Kindern entfernt. Daher kam die Idee der Einschulung. Die Tests im Kindergarten und auch die in der Schule hat er alle super bestanden. Mit Schalk im Nacken hat er den Lehrern die richtigen Antworten gegeben.

Dann kam der Tag der Prüfung beim Gesundheitsamt. An dem Tag hatte er einfach keine Lust. Er kannte die Frau nicht und hatte keine Lust mitzumachen. Mit ganz viel Überzeugungskraft der Eltern und ein wenig Nettigkeit der Prüferin haben wir es geschafft, dass er die Tests bei der ersten Prüferin gemacht und bestanden hat. Was passierte dann? Die Prüferin wechselte. Ich lass das mal so stehen. Die Prüferin wechselte. Was bedeutete das für uns? Wir starteten wieder bei Null! Maxim wollte wieder nicht mitmachen.
Warum auch? Schon wieder eine fremde Tante, die ihm sagte wo er sich hinsetzen soll. Er hat sie noch nie gesehen. Warum sollte sie ihm was zu sagen haben?

Ist es nicht so, dass wir den Kindern von klein auf beibringen, sie sollen nicht mit Fremden sprechen? Und auf einmal sollen sie mit Fremden spielen? Einfach so? Von jetzt auf gleich ohne sich vorher vorzustellen oder kennenzulernen? Warum können sich die Erwachsenen, die beruflich mit Kindern zu tun haben, nicht in die Lage des kleinen Kindes versetzen? Warum gehen sie nicht auf das Kind ein? Spielerisch. Das ist nicht zu viel verlangt und irgendwie auch wieder doch. Denn die Erwachsenen erwarten, dass er ins Zimmer geht und funktioniert. Er alles macht, was ihm die Erwachsenen sagen. Obwohl er sie noch nie gesehen hat.



Warum auch?

Somit kam mir der Gedanke: warum müssen Kinder funktionieren? Warum muss es immer nach der Nase bzw. dem Willen der Erwachsenen gehen?
Das Kind ist ein eigenes selbständiges Wesen. Es hat eigene Gedanken, Gefühle und einen eigenen Willen. Warum muss es springen, wenn der Erwachsene nach einem Sprung verlangt und am besten noch fragen „wie hoch?“.

Wollen wir nicht alle selbständige Wesen großziehen, mit eigenem Willen? Mir ist klar, dass die Gesellschaft das nicht möchte. Ansonsten wäre es schwierig so viele Hamster in Hamsterräder ähm… Büros zu stecken, die brav arbeiten und nichts hinterfragen. Doch wir Eltern arbeiten selbst daran sie klein zu machen, den Willen gesellschaftsfähig oder gar kaputt zu machen. Wenn die kleinen Wesen nicht funktionieren, so wie die Gesellschaft und die Eltern es wollen, wird direkt bestraft. (Welche diversen Strafen es da gibt, da will ich gar nicht erst mit anfangen.) Warum das Ganze und warum machen da fast alle mit?

Ja, wir haben es selber nicht anders erlebt. Wir wurden selbst so erzogen. Und falls wir die Kinder nun doch anders erziehen wollen, mit ihnen in Beziehung gehen wollen, dann werden wir komisch angeguckt. Es ist wirklich nicht einfach gegen den Strom zu schwimmen, ich finde allerdings, die Mühe ist es wert. Denn wie heißt es so schön: Be careful when you follow the masses…sometimes the „M“ is silent.

Auch wenn mich diese Erfahrungen einige Nerven gekostet haben, bin ich sehr stolz auf den kleinen Mann, dass er seinen eigenen Kopf hat und nicht alles mit sich machen lässt.

Und was hat das Ganze nun mit Katzen und Hunden zu tun?
Nun ja, ganz einfach. Die Katze hat seinen eigenen Kopf und lebt danach. Für den freien Willen liebe ich sie. Hunde allerdings hören brav auf das Herrchen. Sie gehorchen. So wie Kinder, die gehorchen sollen. Das mögen die meisten Menschen. Ihre Macht über andere ausüben.

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