Patchworkfamilien und das lange Reisen

Ein Kommentar zu unserem Sommer 2019 Familien-Roadtrip Artikel, gab den Anlass, dass wir uns nochmals etwas detaillierter mit dem Thema längere Urlaube in Patchworkfamilien-Konstellationen auseinander gesetzt und unsere Gedanken und Erfahrungen hierzu zusammengetragen haben.

Wir merken anhand eures Feedbacks und den Herausforderungen, denen wir selbst begegnen, dass es vor allem darum geht, wie wir alle mit umfangreicheren Reiseplänen in Bezug auf die Ex-Partner umgehen – Urlaubsplanung in Patchworkfamilien ebDenn selten sind diese im gleichen Maße begeistert von den eigenen Vorhaben. Bis zu einem gewissen Grad ja auch verständlich – immerhin bedeutet längeres Verreisen mit den Kindern, dass sie eben diese für längere Zeit nicht sehen werden oder gegebenenfalls selbst Pläne für eine längere Reise haben.

Doch wie solltet ihr am besten mit dieser Urlaubplanungs-Thematik umgehen?
Welches ist die angemessenste Art und Weise, die eigenen Ideen und Pläne für das längere Verreisen mit Kindern bei den Ex-Partnern anzubringen?
Schnell kommen in dem Zusammenhang auch Gedanken und Aussagen auf wie „Die werden eh “Nein“ sagen, dass weiß ich jetzt schon.“ oder „Wie kann ich meine(n) Ex von meinen Reiseplänen mit unseren Kindern überzeugen?“.

Die Konstellation aus Patckworkfamilie und Reisefreudigkeit ruft unter Gleichgesinnten einige Fragezeichen und Hilflosigkeit hervor. An dieser Stelle möchten wir als Patchwork-Deluxe unser Alleinstellungsmerkmal nutzen, um dir bei solchen oder ähnlichen Situation zur Seite zu stehen, zu helfen, Verständnis aufzubauen, Mut zu machen, den Blickwinkel zu ändern und zu Lösungsfindungen zu inspirieren

Erst einmal freuen wir uns über dein generelles Vorhaben!
Eine Reise zu unternehmen, vor allem eine mit der gesamten Familie, ist etwas wundervolles, stärkendes und immer wieder eine Horizont erweiternde Erfahrung für alle Beteiligten – erst recht für die Kinder!

Die etwas unschöne Wahrheit

Vor allem in reisebegeisterten Patchworkfamilien kann dies aber, durch die Absprachen mit allen Beteiligten, auch eine große organisatorische Herausforderung sein.
Daher, bevor wir ein paar unserer Erfahrungen mit dir teilen und dir auch Tipps an die Hand geben, wie du ein solches Thema konstruktiv angehen kannst, hier erstmal ein paar ehrliche Worte, basierend auf unseren eigenen Urlaubabsprache-Erfahrungen.

Fakt ist: du kannst nichts erzwingen und es gibt keine Zauberformel, die garantiert, dass ihr am Ende genau den Urlaub machen könnt, den ihr euch vorstellt.

Je nach Sorgerecht-Situation ist es sogar gesetzlich geregelt, dass wenn ihr für längere Zeit verreist, beziehungsweise die Kinder für längere Zeit vom anderen Elternteil getrennt sind, diese eben zustimmen müssen. Da führt dann kein Weg dran vorbei.

Dies hat auch schon bei Anna vor ein paar Jahren zum forcierten Abbruch ihrer 6-Monats-Auszeit geführt.
Eine Garantie auf Erfolg und die vollständige Zusage aller Beteiligten existiert also schlicht und einfach nicht.

I think you should just got for it

Was nicht heißt, dass du es erst gar nicht angehen solltest. Absolut nicht! Ganz im Gegenteil, sei dir über deine Situation nur im Klaren, sei dir über deine Wünsche, aber auch die Optionen, mögliche Kompromisse, bewusst und dann geht es darum den Weg zu finden, der eine Umsetzung in die Realität möglich macht.

Um dies zu erreichen, stehen wir dir gerne mit unseren eigenen Erfahrungen unterstützend und inspirierend zur Seite.
Es geht schon los bei der richtigen Kommunikation.

Triff schlichtweg keine Annahmen und gehe offen, ehrlich und positiv in den Dialog. Oftmals steigern wir uns in unserer eigenen Gedankenwelt schon intensiv in die Dialoge rein, die noch gar nicht stattgefunden haben, malen uns alle Szenerien aus und glauben die Antworten unseres Gegenübers genau zu kennen. Alles wird schwarz gemalt, denn da kann ja nur kontra kommen. Ja, das mag durchaus eine Option sein, aber eben nur eine von vielen. Wenn du aber schon mit dieser Einstellung in ein Gespräch startest, wie soll es je anders kommen? Wie soll der Ex-Partner die Chance haben anders als wie erwartet zu reagieren?

Gute Gründe?

Steht dennoch erst einmal ein „Nein“ gegenüber einer langen Familienreise im Raum, gibt es Gründe, ja vielleicht sogar Ängste, die dahinter stecken. Dies gilt es herauszufinden, zu verstehen, mitzufühlen und im besten Fall gemeinsam zu relativieren und zu beschwichtigen.

Wichtig während der gesamten Kommunikation ist der Ansatz eines Dialogs. Dein Ex- Partner will und sollte als Vater bzw Mutter eures gemeinsamen Kindes, echtzeitig mit einbezogen werden. Suche nicht erst das Gespräch mit den Kindern, schmiedet Pläne und hole dann den Ex- Partner mit ins Boot. Versetz dich in ihre bzw seine Lage und überleg für dich selbst offen und ehrlich: könntest du für eine längere Zeit auf den Umgang mit deinen Liebsten verzichten? Wenn ja, unter welchen Umständen?

Gib Optionen und Zeit

Immerhin gibt es in der heutigen Zeit diverse technische Möglichkeiten, um egal wo auf der Welt immer wieder mit den Kindern in Kontakt zu bleiben – sogar mit Video, über Skype, FaceTime oder einfach Videobotschaften, die man sich per WhatsApp hin und her schickt.

Und gebt Ihnen Zeit darüber nachzudenken und mit ihrer Antwort oder weiteren Fragen auf euch zurückzukommen. Erwartet keine direkte Antwort und stellt das womöglich auch zu Beginn des Gesprächs klar. Dies gilt sowieso ganz generell: nehmt euch die Zeit.

Erklär in Ruhe deine Pläne und Gedanken zu deinem Vorhaben. Wie wichtig es dir ist dieses ganz besondere Erlebnis mit allen Kindern zu teilen. Stelle heraus wie groß auch die Erfahrung ist, die sie so sammeln werden. Etwas, dass man nicht einfach Zuhause auf anderem Wege ersetzen kann. Wenn du dich in dein Gegenüber hineinversetzt hast, weißt du auch wie er oder sie sich fühlt und kannst gezielt schon mögliche aufkommende Bedenken klären und relativieren.

Mache auch gerne Gegenangebote beziehungsweise mache zumindest deutlich, dass du ein Entgegenkommen, denn das ist es am Ende, zu schätzen weißt und bei zukünftigen Plänen ebenfalls offen für Gespräche bist. Denn mit etwas Abstand betrachtet geht es bei diesen Gesprächen nicht nur um diesen einen Urlaub. Es ist eine Grundsteinlegung für zukünftige Umgänge miteinander und allem was damit einher geht. Es geht absolut nicht um Auge um Auge und Zahn um Zahn. Eine Argumentationsgrundlage auf die wir persönlich gar nicht stehen….
Generelle Offenheit und Flexibilität gegenüber zukünftigen Möglichkeiten auf beiden Seiten, das ist es was auf diese Art thematisiert wird. Nicht jeder ist der Typ für eine längere Familien-Reise, aber vielleicht schwebt deinem Ex-Partner etwas anderes im Kopf herum.

Weißt du was du willst?<\h4>

Zu Beginn ist es natürlich wichtig, dass du dir selbst darüber im Klaren bist, was du denn möchtest. Werfe nicht nur eine lose Idee in die Runde, sondern beschäftige dich vorab mit deinem Vorhaben und sogar möglichen organisatorischen Hürden, die es zu nehmen gilt.
Gerne stellen wir Dir eine kleine Liste an Fragen zur Verfügung, der Dir helfen soll, ein paar der Aspekte einer längeren Familienreise zu beachten.

Wie lange habt ihr denn vor zu verreisen?

Ist es der erste Urlaub in dieser Konstellation?

Fahrt ihr das erste Mal eine längere Zeit mit den Kindern weg?

Wie alt sind die Kinder?

Gehen sie noch zur Schule und ist die Schulpflicht bei eurer Reise zu beachten?

Sind sie alt genug, um selbst zu entscheiden oder zumindest mitzureden?

Auch Kompromisse sind Lösungen

Und jetzt kommt es. Das befürchtete Wort: Kompromisse. Oder nennen wir es besser „Plan B“. Denn sei dir darüber im Klaren, es gibt immer mehrere Lösungen. Fahrt euch nicht selbst fest, was eure Planung angeht, indem ihr Alternativen schlichtweg abtut. Je nach Länge der Reise ist es bereits ein Großprojekt und die Patchwork-Konstellation macht es immer nochmal ein bisschen größer.

Also, ein wirklich sehr gut gemeinter Rat: sei offen für neue Optionen – auch solche die du im Moment vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hast.

Hier ein paar Erfahrungen aus unseren bisherigen Reisen und den dazugehörigen Absprachen.

Fang zunächst kleiner an und steigere dich in der Dauer und/oder Entfernung der Destination über die Urlaube hinweg. Es kann also sein, dass der Reise-Zeitraum erst einmal verkürzt werden muss, um dann ein anderes Mal den ursprünglichen Plan umzusetzen. Nutze es als Chance. Beweise im kleineren Rahmen, dass es funktioniert. Für die Kinder. Für euch. Gewinne das Vertrauen deines Ex-Partners.

Auch möglich, dass es eine Lösung ist, dass nicht alle Kinder mit dabei sind, da sich einer der Ex-Partner grundsätzlich quer stellt.
Wir hatten auch schon mehrmals die Situation, dass ich meinen Sohn zur Hälfte der Reise wieder nach Hause gebracht habe. Das sind ein Extraflug und Extrakosten. Am Ende war es jedoch eine Option, dass wir zumindest für einen gewissen Zeitraumr alle gemeinsam unterwegs sein konnten.

Egal wie es am Ende kommt, es wird gut werden.

Die Schritte während der Urlaubsabsprache haben nicht zum Ziel, alle anderen von den eigenen Plänen schlichtweg zu überzeugen. Entweder es steckt bereits eine Zustimmung in euren Ex-Partnern drin, die durch offene Gespräche bestärkt werden kann. Oder es ist eine grundsätzliche Ablehnung, an der ihr zunächst mal nichts machen könnt. Eben der „aus Prinzip dagegen“- Typ. Hier hilft leider nur Zeit und das Alter der Kinder, die irgendwann dann selbst entscheiden.

Wir hoffen sehr, dass dir unsere Erfahrungen und Ratschläge in deiner eigenen Lebenslage weiterhelfen.
Lass es uns wissen, an welcher Stelle wir dir noch helfen und für mehr Klarheit sorgen können.
Wir wünschen dir von Herzen, dass du am Ende die tollen Reise-Pläne genau wie du es dir vorstellst, oder sogar besser, umsetzen kannst!

Wir freuen uns auf deine Erfahrungen und jeglichen weiteren Austausch zum Thema Verreisen in Patchwork-Konstellationen! Nutze dazu gerne die Kommentarfunktion oder schreibe und an info (at) patchwork-deluxe.de.

Patchwork-Deluxe.de Newsletter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.